Wie man ein nicht börsennotiertes Unicorn bewertet
Das Wichtigste in Kürze
- Private Bewertungen stammen aus bepreisten Finanzierungsrunden, Tender Offers und Secondary-Verkäufen, nicht aus fortlaufendem Handel.
- Pre-Money- und Post-Money-Zahlen unterscheiden sich, und Quellen nennen für dieselbe Runde mitunter verschiedene Werte.
- Die Konditionen der Vorzugsaktien führen dazu, dass dieselbe ausgewiesene Gesamtbewertung für verschiedene Inhaber unterschiedlich viel wert ist.
- Der Preis sollte stets mit aktuellem Umsatz, Wachstum und vergleichbaren börsennotierten Unternehmen abgeglichen werden.
Ein nicht börsennotiertes Unternehmen hat keinen laufend gestellten Kurs. Die ausgewiesene Gesamtbewertung ist eine verhandelte Zahl, die eine einzelne Transaktion zu einem einzelnen Stichtag abbildet.
Woher die Zahlen stammen
- Bepreiste Finanzierungsrunden: der von neuen Investoren gezahlte Preis je Anteil, multipliziert mit der voll verwässerten Anteilszahl.
- Tender Offers und Secondary-Verkäufe: zwischen bestehenden Inhabern und Käufern vereinbarte Preise, mitunter mit Abschlag oder Aufschlag gegenüber der letzten Runde.
- Berichte und durchgesickerte Informationen: Medienberichte über laufende Gespräche, die unbestätigt sein können und sich ändern.
Pre-Money und Post-Money
Pre-Money ist der Wert vor Zufluss des neuen Kapitals, Post-Money der Wert danach. Ein und dieselbe Runde kann daher mit unterschiedlichen Gesamtbewertungen berichtet werden, je nachdem, welche Größe zitiert wird. So nennen Berichte über OpenAI im Jahr 2026 je nach Quelle unterschiedliche Zahlen für die vorherige Bewertung.
Warum ausgewiesene Bewertungen in die Irre führen
- Vorzugsaktien können Liquidationspräferenzen tragen, die Stammaktien nicht haben.
- Die Konditionen einer Runde können Strukturen enthalten, die die ausgewiesene Bewertung erhöhen, ohne die wirtschaftliche Substanz zu verändern.
- Alte Bewertungen veralten in schnell wachsenden Sektoren rasch.
Eine praktische Prüfliste
- Stichtag und Art der Bewertung bestimmen und klären, ob es sich um Pre-Money oder Post-Money handelt.
- Die erworbene Anteilsklasse prüfen und feststellen, welche Präferenzen ihr vorgehen.
- Das implizite Multiple mit Umsatz, Wachstum und Bruttomarge abgleichen, soweit diese offengelegt sind.
- Den Vergleich mit börsennotierten Wettbewerbern und mit kürzlich abgeschlossenen Börsengängen ziehen.
- Einen Abschlag für Illiquidität und für die Unsicherheit über den Exit-Zeitpunkt ansetzen.
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